Archiv für November 2011

Aufruf zum Bildungsstreik im November 2011


Im folgenden Dokumentieren wir den Aufruf des Bildungsstreikbündnisses Dortmund

Wir rufen alle SchülerInnen, Studierende, Ausbzubildende, Lehrerinnen, Dozierende und Eltern, die sich für Bildung einsetzen wollen zum Bildungsstreik für Solidarität und freie Bildung auf. Wir protestieren gegen Hürden beim Zugang zu Schule/Hochschule, undemokratische Strukturen und das Kaputtsparen des Bildungssystems. Wir wollen die Bildungspolitik verändern, Menschen politisieren und die Selbstorganisation stärken. Wie in vielen Städten wird es auch in Dortmund Kundgebungen und am 17.11. eine Demonstration in der Innenstadt geben.

Unter anderem fordern wir:
- Mehr Geld in alle Bildungsinstitutionen!
– Kleinere Klassen & mehr LehrerInnen (Klassenstärke max. 20)!
– Weg mit dem Turboabitur!
– Eine Schule für alle!
– Studienplätze für alle! Alle Zulassungsbeschränkungen aufheben!
– Masterstudienplätze für alle AbsolventInnen!
– Ausbildungsplätze und Übernahme für alle!
– Umlagefinanzierung – Wer nicht ausbildet, muss zahlen!
– Kostenlose Mahlzeiten an allen weiterführenden Schulen!
– Kostenlose Nutzung des ÖPNV!

An eurer (Hoch-)Schule könnt ihr bei SV/AStA/JAV erfahren, wann genau es bei euch losgeht und was noch für Aktionen geplant sind!

Also geht mit auf die Straße und zeigt, dass wir dieses Bildungssystem nicht weiter hinnehmen!
Ein anderes Bildungssystem ist möglich – und dringend nötig!

Kommt am Donnerstag, dem 17.11. um 10:30 Uhr zum Hauptbahnhof (Katharinentreppen)!

Hochschule nimmt bewusst überfüllte Hörsäle in Kauf

Skandalöses Verhalten wurde nun von Seiten der Hochschulverwaltung der TU Dortmund öffentlich bekannt. Ein Dozent der TU Dortmund sah den Ansturm von Studienanfängern voraus und bemühte sich frühzeitig um größere Kapazitäten. Dieses Bemühen wurde von der Hochschulverwaltung abgelehnt und so kam es erwartungsgemäß zu einer großen Überlastung der Veranstaltung des Dozenten. Diese Informationen wurden von der zuständigen Fakultät der TU Dortmund bestätigt. Weitere Details liegen dem Komitee für freie Bildung vor, sollen aber zum Schutz der Betroffenen nicht veröffentlicht werden. „Ich finde es echt erschreckend, dass sowas passieren kann! Das zeigt doch, dass es tiefgreifende Probleme an unserer Hochschule gibt.“ beschwert sich Kathrin Schönebeck vom Komitee für freie Bildung.

Auch auf dem Vortrag „Quo Vadis, TU Dortmund?“ von Rektorin Gather kam es am Dienstagmittag zu weiteren Enthüllungen. Der Prorektor für Lehre, Professor Tolan, legte ein Schuldeingeständnis ab. Er habe sich auch gefragt, warum das Rektorat nicht früher wegen den zu erwartenden höheren Studienanfängerzahlen gehandelt habe. Dies täte ihm leid. „Schön, dass das Rektorat endlich einräumt, dass sie es verpasst haben, rechtzeitig zu handeln.“ erklärt Chavez. „Der Prorektor sagte, er würde es nächstes Jahr besser anstellen und sich schon im September Gedanken machen. Leider zeigt das, dass das Rektorat nichts dazu gelernt hat. September ist nur einen Monat vor Semesterbeginn und damit viel zu spät.“ so Chavez weiter. Trotz der katastrophalen Lage an der Hochschule sagte Rektorin Gather, das Kapazitätsproblem sei gelöst und es würden sogar noch weitere Kapazitäten geschaffen werden. Sie konnte aber auf Fragen, wie sie dies geschafft habe, keine Antwort geben. Die Situation in der Uni lässt zudem Zweifel an dieser Aussage aufkommen.

AStA schmeißt Presse raus

Am Dienstagabend lud das Komitee für freie Bildung zu einer Diskussionsveranstaltung im AStA-Seminarraum an der TU Dortmund. Nur wenige Studierende kamen dieser Einladung nach, obwohl bei einer vorangegangenen Veranstaltung des Rektorats Missstände offen zugegeben wurden.

Zu einem besonderen Zwischenfall kam es direkt zu Beginn der Veranstaltung, als der AStA der TU Dortmund einem Vertreter der Presse Aufnahmen im Seminarraum verbot. „Das die Presse bei einer studentischen Veranstaltung vom AStA rausgeschmissen wird – und das gegen den Willen der Teilnehmenden und Veranstalter – ist ein Skandal, der zeigt, wie groß in diesem AStA Transparenz und Pressefreiheit geschrieben werden.“ beschwert sich Sebastian Chavez vom Komitee für freie Bildung.

Das Komitee für freie Bildung hatte breit für die Möglichkeit unter den Studierenden geworben, sich an diesem Abend über die Probleme an der TU Dortmund auszutauschen, trotzdem blieb die erhoffte Menschenmenge aus. „Wir haben die Vermutung, dass viele Studierende kein Potential in Diskussionsprozessen an der Uni sehen. Wahrscheinlich beruht dies auf den insgesamt mangelnden politischen Gestaltungsmöglichkeiten an der Hochschule und den negativen Erfahrungen in der nahen Vergangenheit mit dem Rektorat und ihren Versprechen.“, fasst Kathrin Schönebeck als anwesende Studentin die Diskussion zusammen. An Lösungswegen arbeite man noch, erklärte sie weiter.

Uni überfüllt – AStA und Hochschulleitung Seite an Seite gegen studentischen Protest

Dieses Semester sind, wie in ganz NRW, auch in Dortmund die meisten Veranstaltungen für Studienanfänger_innen vollkommen überlastet. Studierende müssen auf den Treppen und Böden sitzen um dem_der Dozenten_in zu folgen oder werden von ihrer Veranstaltung ausgeschlossen, weil sie nur noch vor der Hörsaaltür Platz finden. Insgesamt haben sich dieses Semester laut Rektorin Gather 45 Prozent mehr Studienanfänger_innen an der TU Dortmund eingeschrieben.

Der Unmut bei den Studierenden ist groß. Selbst vor dem Rektorat gab es schon Sitzblockaden und Protest. Dies will die Hochschulleitung allerdings nicht wahrhaben und erklärte gegenüber der Presse, dass es zu keinerlei Protest seitens der Studierenden käme. Die in der Presse verbreitete Behauptung, die Hochschule wäre auf die bestehende Situation
vorbereitet, weiß das Komitee für freie Bildung Dortmund zu widerlegen. „Das Rektorat behauptet, es wäre auf die aktuelle katastrophale Überbelastung vorbereitet. Uns liegen – noch hoschulinterne – Informationen vor, dass dies keinesfalls so ist. Die Hochschule wusste zwar Bescheid, allerdings wurden Maßnahmen gegen diesen Ausnahmezustand bewusst abgelehnt.“ erklärt Kathrin Schönebeck vom Komitee für freie Bildung.

Der AStA der TU Dortmund hingegen nimmt den Protest und Unmut der Studierenden bewusst war und verurteilt ihn. In einer Presseerklärung spricht er den Studierenden die Fähigkeit zur Selbstbestimmung ab und behauptet ein Professor hätte sie instrumentalisiert. Das Komitee für freie Bildung Dortmund kritisiert das Verhalten von AStA und Hochschulleitung und solidarisiert sich mit protestierenden Studierenden und Dozent_innen. „Sowohl AStA als auch Hochschulleitung behaupten es wäre bereits eine Lösung für die bestehenden Kapazitätsprobleme gefunden worden. Doch im Studienalltag zeigt sich, dass dies bloß leer Worte sind.“ sagt Schönebeck. „Anstelle die Interessen der Studierenden gegenüber dem Rektorat zu vertreten, stellt sich dieser schützend davor und arbeitet politisch gegen den studentischen Protest an.“ beschwert sich Schönebeck weiter.

Das Komitee für freie Bildung veranstaltet wegen der aktuellen Situation an der TU Dortmund eine Diskussionsveranstaltung um Studierenden Raum für einen Austausch und Organisation von Protest anzubieten. Diese wird am 8.11.2011 um 18 Uhr im AStA-Seminarraum (Raumnr. 0436) im Gebäude Emil-Figge-Straße 50 der TU Dortmund stattfinden.