Die Uni ein exklusiver Ort? Nein! Hier doch nicht.

Lud die Technische Universität am Donnerstag, 16.12.2010 zu ihrer jährlichen akademischen Jahresfeier ein, so verstanden sich kritische Studierende verschiedener Ruhrgebietshochschulen und deren Freund_innen eingeladen an Speis und Trank und den Feierlichkeiten der Hochschule teilzuhaben.

Immerhin gab es einiges zu feiern: Sogar die Neuauflage von PISA zeigt einmal mehr, wie sehr die Teilhabe an Bildung in der BRD von der sozialen Herkunft und ökonomischen Ausstattung des Elternhauses abhängt und so soziale Ungleichheiten zementiert. Es werden jene soziale Ungleichheiten an den Hochschulen als Institution des Bildungswesens, die die höchsten formalen Qualifikationen bereitstellt, weiter verstärkt. Prozesse der Exklusivität zeigen sich bis zur Entscheidung zur Erstellung einer Promotion deutlich. Hiermit soll nicht der Eindruck entstehen, dass bloß die Universität das Problem ist. Bereits in der Schule werden soziale Ungleichheiten nicht abgemildert, sondern zum Zwecke der ‚Funktionalität‘ verstärkt.

Aber auch die Universität hat einiges zu feiern, gehen wir auf soziale und ökonomische Aspekte im Leben der Hochschule ein. So machte Rektorin Gather den Weg frei für eine garantierte Verschlechterung der Lehre. 10% weniger Etat für alle Fakultäten als Folge der Überschuldung des Haushalts. Das lässt so manche Fakultät an ihre Grenze kommen, Lehrstühle und Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter_innen drohen so nicht (wieder) besetzt zu werden. Diese sind ohnehin oft an unzumutbare befristete Arbeitsverhältnisse gebunden, die jegliche Planungssicherheit von vornherein erodieren lässt.
Gleichzeitig, so ist bereits seit längerem bekannt, liegen Mittel aus den Studiengebühren in großen Töpfen in den einzelnen Fakultäten bereit. Die Erhebung von Studiengebühren – so illegitim sie bereits als solche sind – sind auch angesichts ihrer Höhe und dem realen Bedarf vollkommen unnötig.

Aber gibt es noch was? Ja klar. Die Universität geht nun Hand in Hand mit dem CHE und darf sich in Zukunft bereits als eine von vielen Hochschulen bundesweit als Ort der Vielfalt bezeichnen. Partizipation der studentischen Gremien und Arbeitsgruppen? Fehlanzeige. Partizipation der Universitätseinrichtungen als solche dagegen, gerne. Wie kann man das auch bloß anzweifeln: Die Universität ist doch ein Unternehmen, oder? Universitas als Ort gemeinsam voneinander Lernender erscheint so tot wie Humboldt selbst.

Ohnehin ist nicht viel davon zu halten, weil dieses Projekt die Lebenswelten der an ihr tätigen Menschen nicht berücksichtigt. Vielfalt: Gerne, aber als (ziemlich einfach zu entlarvende) Strategie der Gouvernementalität? Nein, Danke!
Da mensch aber vor dem Stumpfsinn nicht kapitulieren sollte, wird es umso nötiger, dass kritische und sich emanzipativ verstehende Studierende sich mit all ihrer Kritik, ihren Utopien und in Selbstorganisation in alle Bereiche der Hochschule einmischen.