Dortmunder Studierende haben Hunger auf Bildung

Auch in Dortmund haben Studierende der Dortmunder Hochschulen sich nun dazu entschlossen, ihren Forderungen nach Verbesserungen im Bildungssystem mehr Nachdruck zu verleihen. Nach einer Demonstration von über tausend Studierenden mit einer Abschlusskundgebung auf dem Dortmunder Friedensplatz kam es zu einer Hörsaalbesetzung im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks. Seit 13 Uhr dient der Hörsaal 1 im Gebäude an der Emil-Figge-Str. 50 der TU Dortmund als Treffpunkt und Plenumssaal der Streikenden.

Über 400 Studierende und Sympathisantinnen und Sympathisanten aus Fachhochschule und TU führten zunächst eine offene Diskussion über diejenigen Anliegen und Forderungen, auf die im Rahmen des Dortmunder Bildungsstreiks die öffentliche Aufmerksamkeit gelenkt werden soll.
Das Plenum kritisiert das deutsche Bildungssystem im Ganzen, speziell haben bislang folgende Forderungen die Zustimmung des Plenums gefunden:

  • Mehr Demokratie an den Hochschulen
    Studierende werden nicht in ausreichendem Maße in hochschulpolitische Entscheidungsfindungen eingebunden. Wichtige Beschlüsse, wie z.B. Einführung und Festlegung der Höhe von Studiengebühren, werden nach dem Gefühl der Studierenden zunehmend von oben herab gefällt, ohne ihre Belange und Vorstellungen zu berücksichtigen.
  • Abschaffung der Studiengebühren
    Das Ziel ist es, die sofortige Abschaffung der Studiengebühren in Dortmund und in NRW insgesamt durchzusetzen. Bildung und ihre Finanzierung ist Aufgabe des Landes. Studiengebühren schaffen unnötige weitere Zugangsschranken im Bildungssystem und führen zu weiterer sozialer Benachteiligung an deutschen Hochschulen. Zudem führen sie bei immer mehr Studierenden dazu, dass diese einen Kredit aufnehmen müssen und sich so für ihr Studium zusätzlich verschulden.
    Solange in Dortmund und NRW Studiengebühren erhoben werden, fordern die Studierenden mehr Transparenz und Mitbestimmungsrecht hinsichtlich der Ausgaben. Wo Potenziale zur deutlichen Senkung der Gebühren vorhanden sind, müssen diese auch genutzt werden.
  • Verbesserung der Lehre in Kapazität und Qualität
    Der studentische Alltag zeigt, dass es – mit wenigen Ausnahmen – zu keiner nennenswerten Verbesserung der Studienbedingungen gekommen ist. Überfüllte Vorlesungen und Seminare sind immer noch an der Tagesordnung, Praktikumsplätze sind in vielen Fachbereichen Mangelware. Ein umfassender, nachhaltiger Bildungsanspruch wird immer mehr durch Lehrnormen ersetzt, die immer mehr auf kurzfristige Effekte abzielen: Innerhalb kürzester Zeit „eingepaukte“ Inhalte bleiben zumeist nur bis zur nächsten Prüfung oder Klausur haften.
    Es besteht dringender Bedarf an verpflichtenden didaktischen Weiterbildungsangeboten für Dozentinnen und Dozenten.
  • Überarbeitung insbesondere der bestehenden B.A./M.A.-Studiengänge
    Die bestehenden B.A./M.A.-Studiengänge bedürfen einer grundlegenden Neugestaltung. Dabei geht es vor allem um eine Rücknahme der die Studiengänge stark verschulenden Elemente, wie die Anwesenheitspflicht, den ständigen Prüfungsdruck während des gesamten Semesters und die eingeschränkte Wahlfreiheit bei der Setzung der eigenen Studienschwerpunkte. Hinsichtlich der Gestaltung der Studiengänge reicht es nicht, die veralteten inhaltlichen Vorgaben nur in ein engeres zeitliches Gefüge zu zwängen. Eine Verkürzung der Studienzeiten bei insgesamt akzeptablem Arbeitspensum für Studierende ist nur möglich, wenn die Lerninhalte entsprechend angepasst werden.
    In den bestehenden B.A./M.A.-Studiengängen braucht es eine bessere Verzahnung beider Studienabschnitte und die Abschaffung der Zulassungsbeschränkungen zum M.A.-Studiengang.
  • Zur Bekräftigung der Forderungen bleibt der Hörsaal auf unbestimmte Zeit besetzt. Wir werden uns am 25. November 2009 um 14 Uhr an der studentischen Vollversammlung beteiligen, für die die Rektorin der TU-Dortmund bereits ihr Kommen zugesagt hat. Die Studierenden und Sympathisantinnen und Sympathisanten erhoffen sich eine konstruktive Diskussion.